von Berenice Boxler. 

„Danke.“ Wahrscheinlich mehr als einmal am Tag äußeren wir diese kleine Wort, das aber schnell zur Floskel wird, zu einer höflichen Notwendigkeit. Wir werden erzogen zur Freundlichkeit und lernen dieses kleine Wörtchen – im Zusammenhang mit „bitte“ – schon als Kleinkind. Auch ich achte darauf, ob meine Kinder sich hörbar bedanken, wenn sie an der Käsetheke ein Stück zum Probieren bekommen. Dabei ist Dankbarkeit viel mehr als eine freundliche Anerkennung.

Dankbarkeit, eine der neun Qualitäten der Achtsamkeit nach Jon Kabat-Zinn, ist nicht nur Antwort auf oder für etwas Erhaltenes. Echte Dankbarkeit braucht keinen Impuls und kein Geschenk. Dankbarkeit ist ganz besonders nährend, wenn wir sie für das empfinden, was wir bereits haben.

Ich kann dankbar sein dafür, die Sonne sehen und spüren zu können. Ich bin meinem Körper dankbar, dass er mich jeden Tag durchs Leben trägt. Und so viel mehr… Ein Meditationslehrer sagte einmal, er empfinde gerade tiefe Dankbarkeit für die Abwesenheit von Zahnschmerzen.

Dankbarkeit ist eine Superkraft

  • Dankbarkeit macht glücklich. Es gibt Studien dazu, die belegen, dass eine bewusste Dankbarkeitspraxis den Optimismus stärk, mehr Motivation hervorbringt und glücklicher macht. Aber auch ohne Forschung ist klar, dass regelmäßige Gefühle und Äußerungen von Dankbarkeit die innere Zufriedenheit und Wertschätzung steigern für das, was wir haben – und wir weniger darüber nachdenken, was wir (noch) nicht haben.
  • Dankbarkeit verbessert Beziehungen. Ehrliche und auch geäußerte Dankbarkeit für die kleinen und großen Gesten in einer Beziehungen können die allgemeine Atmosphäre enorm verbessern, sei es bei Liebespartnern, in der Familie oder im Berufsalltag.
  • Dankbarkeit hilft gegen Schlafstörungen. Das ist das Ergebnis von Studien um Alex M. Wood von der Universität von Stirling, einem der weltweit renommiertesten Dankbarkeitsforscher. Er und sein Team konnte zeigen, dass Menschen, die Dankbarkeit empfinden und praktizieren, besser und tiefer schlafen und auch leichter einschlafen. Tipp: Wenn beim nächsten Mal abends im Bett das Kopfkino anspringt, vielleicht einfach mal eine Dankbarkeitsübung ausprobieren? Schaden kann es jedenfalls nicht…
  • Dankbarkeit senkt Stress und fördert das Wohlbefinden. Vielfältige Studien, z.B. von Martin Seligman und Tracy Steen, konnten nachweisen, dass Übungen wie Dankbarkeit dazu beitragen, den Stresslevel zu senken. Ganz einfach gesagt: Wer sich überlegt, wofür er dankbar ist, kann nicht gleichzeitig über Probleme oder Ängste nachdenken. Weitere Studien belegen, dass wir uns weniger alleine fühlen, weniger physikalische Stresssymptome aufweisen und mehr Energie haben.

Dankbarkeit für das Leben

Dankbarkeit erlaubt uns, für die Wunder und den Reichtum des gegenwärtigen Moments wach zu werden und Dinge nicht als selbstverständlich zu nehmen. Wir atmen, wir sind am Leben, wir haben Augen und Ohren, etc. – Das ist für uns nicht der Rede wert, aber das sollte es sein. Achtsamkeit und Dankbarkeit gehen Hand in Hand: wir können nicht dankbar sein für Dinge, die wir nicht wahrnehmen. Dabei ist es wie bei allen Emotionen: es gibt hier kein schwarz oder weiß, es ist eine Mischung. Ich kann beispielsweise dankbar sein für die neuen Möglichkeiten, die ich nach einem Umzug habe, und gleichzeitig traurig über die zurückgelassenen Freundschaften. Das eine Gefühl schließt das andere nicht aus. Alles darf sein, auch gleichzeitig.

Gute Dinge zu bemerken, wenn und wo auch immer sie sind, bringt uns immer wieder heraus aus diesem gefährlichen Strudel von Gedanken, in welchem wir die Welt schnell nur als einen Ort sehen, an dem schlimme Dinge geschehen oder einfach gar nichts so läuft, wie wir es gerne hätten. In Wahrheit besteht das Leben aus Gutem und aus Schlechtem, unser Gehirn ist jedoch darauf ausgerichtet, prioritär auf das Schlechte zu achten (sog. „Negativitätstendenz“ des Gehirns). Achtsame Dankbarkeit hilft uns dabei, die wunderschönen Momente des Lebens wertzuschätzen, während wir auf der anderen Seite besser in der Lage sind, solche Momente auch für andere zu schaffen.

Übungen für mehr Dankbarkeit

Es gibt viele Möglichkeiten, Dankbarkeit zu praktizieren und damit das innere Gefühl von Fülle zu pflegen und zu stärken: z.B. ein Dankbarkeitstagebuch schreiben, bewusst die Augen öffnen und das Schöne wahrnehmen, ehrlich „Ich danke dir/Ihnen“ sagen für eine freundliche Geste, jeden Abend 10 Dinge aufzählen, für die man dankbar ist (dabei ist alles erlaubt, von „leckeres Frühstück“ über „gesunde Kinder“ bis „den Bus noch erwischt“) – oder die Phantasie und die Finger bemühen für diese folgende Übung:

Die Finger einer Hand betrachten:

Daumen: Auf welche Stärken und Talente bin ich stolz?
Zeigefinger: Was in der Natur inspiriert und begeistert mich?
Mittelfinger: Wem kann ich heute etwas Gutes tun?
Ringfinger: Welche Menschen liebe ich von Herzen?
Kleiner Finger: Für was bin ich in  meinem Leben zutiefst dankbar?
(Quelle: https://karrierebibel.de/dankbarkeit/, zuletzt besucht am 14.4.2019, 13:54).

Wie bei jeder Praxis ist das Geheimnis die Regelmäßigkeit. Je öfter wir üben, umso stärker wird es in uns. Dankbarkeit kostet nichts und gibt uns ganz viel. Worauf also warten?

Ich danke Dir von Herzen für das Lesen dieses Artikels!

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