Ein Tag folgt auf den anderen. Wir stehen auf, machen uns zurecht, gehen zur Arbeit, wir essen mehrmals am Tag, wir sitzen am Computer, an Schreibtischen, auf Stühlen und im Bus. Abends machen wir es uns gemütlich auf dem Sofa, ehe wir ins Bett gehen. Vieles wiederholt sich, natürlich ist jeder Tag anders und doch irgendwie ähnlich. Das ist Routine, das ist Alltag. Wir leben und verbringen die Tage.

Eines Tages machen wir eine falsche Bewegung und es schmerzt im Rücken, vielleicht erwischt uns eine Erkältung und wir schnupfen und husten uns durch den Tag, oder die Migräne schlägt zu. Und ganz plötzlich ist er da, ganz präsent im Bewusstsein: der Körper. Unser Körper, der nicht mehr einwandfrei funktioniert. Wir sind verärgert und frustriert. „Ausgerechnet jetzt, vor dem wichtigen Termin!“ „Nicht schon wieder…!“ Wir greifen zu Medikamenten oder versuchen uns zu schonen, obwohl wir doch eigentlich keine Zeit dafür haben.

Hört sich das bekannt an? Mein Körper meldet sich zuverlässig am Ende des Tages. Manchmal bin ich erschöpft, verspannt oder dehydriert. Manchmal habe ich Schmerzen vom vielen Sitzen. Oft sagt mein Körper mir auch, dass er heute nicht die Nährstoffe bekommen hat, die er benötigt hätte, um mein Arbeitspensum zu absolvieren. Es passiert mir regelmäßig, dass ich den Körper und seine Bedürfnisse einfach vergesse.

Ein Leben im Kopf

Oft leben wir nur im Kopf, nur in den Gedanken. Wir vergessen oft ganz, dass wir mehr sind als ein Kopf und ein paar Hände. Die Füße bringen uns von A nach B, aber wir bekommen es oft gar nicht mit. Unser Mund isst, und der Bauch füllt sich, aber wir sind oft total abgelenkt und essen über unser Völlegefühl hinweg. Wir atmen ständig, aber merken wir das überhaupt?

Es ist nicht einfach. Eigentlich wissen wir, was gut für uns ist: genug Bewegung, gesund essen, lange schlafen, regelmäßige Auszeiten. Nur, was heißt das im Detail? Und wie soll das möglich sein im hektischen Alltag? Oft entsteht ein Teufelskreis: zu viel Arbeit ⇒ das Sportprogramm fällt aus ⇒ der Körper wird müde und träge ⇒ zu viel Kaffee und Verlangen nach Zucker und „comfort food“ ⇒ das macht noch träger ⇒ Sport fällt immer schwerer, selbst wenn einmal Zeit dafür wäre.

Zu wissen, was gut für einen ist und es auch zu tun, sind zwei ganz verschiedene Bereiche. Schnell verlieren wir das Gefühl für unseren Körper und das Vertrauen in uns selbst. Aber um ein Leben in seiner Ganzheit führen zu können, müssen wir auch alles an uns wahrnehmen, und das schließt den ganzen Körper ein.

Die Weisheit des Körpers

Der Körper ist sehr weise: er sagt uns oft, wie es uns geht, bevor es uns gedanklich klar wird. Er ist ein Frühwarnsystem für Stress und unangenehme Gefühle. Kopfschmerzen, Spannungen, Rückenschmerzen etc. sind die Sprache des Körpers. Dadurch teilt er sich mit, wie es uns geht. Und die Forschung hat gezeigt, dass bewusste Entspannung und die Aufmerksamkeit auf den Atem im Körper das Nervensystem beruhigt. Aber wir müssen oftmals erst wieder eine Verbindung herstellen zum Körper, ihn wieder spüren lernen – um dadurch wieder zu lernen, ihn zu verstehen. Wir sind so in Gedanken, abgelenkt von Alltag und Medien, oder einfach in Eile, dass wir kaum noch etwas spüren. Unser Leben spielt sich oft nur im Kopf ab. Dabei sind wir doch so viel mehr! Es ist auch sehr nährend und wohltuend, schrittweise ein Gefühl von Wertschätzung und Dankbarkeit zu entwickeln für die unglaubliche Leistung, die unser Körper tagtäglich erbringt, ohne dass wir es merken. Atmen, gehen, essen, sprechen, Kinder umarmen, lieben – nicht zu vergessen die fünf Sinne.

Körpergewahrsein

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich wieder mehr mit seinem Körper zu verbinden.

Yoga, Bewegung, bewusstes Atmen und dabei das Atmen im Körper spüren, eine Körperreise, die 5 Sinne wahrnehmen, um nur ein paar zu nennen. Dabei ist es wichtig, die eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten zu respektieren und nicht zu viel auf einmal zu wollen. Es geht darum, realistisch zu sein und zu akzeptieren, wenn es (bzw. der Körper) mal nicht so geht, wie wir uns das vorstellen.

Die wohl einfachste Art und Weise ist es, immer wieder innezuhalten im Laufe eines Tages, seinen Körper nach Spannungen abzusuchen und sich zu fragen, wie es dem Körper jetzt gerade geht und was er braucht. Das klingt einfach, doch im Laufe eines hektischen Tages ist es sehr schwierig, sich an diese Übung zu erinnern. Vielleicht hilft eine Erinnerung auf dem Handy? Oder ein Zettel am Bildschirm des Computers?

Um sich wieder mehr mit seinem Körper zu verbinden und ihn zu spüren, kann es auch sehr hilfreich sein, regelmäßig eine Körperreise (Body Scan) zu machen. Hier gibt es eine von mir angeleitete Meditation.

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