Erwartungen erfüllen

September 2026
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Eigentlich sollte dieser Blogartikel längst geschrieben sein. An digitalen und schriftlichen Erinnerungen mangelte es nicht. Was fehlte, waren Ruhe und Zeit. Zeit war zwar rein technisch genug vorhanden – aber es gab immer etwas anderes zu tun. Immer war etwas gefühlt oder tatsächlich wichtiger oder dringender und die eigenen Erwartungen an mich konnte ich nicht erfüllen. 

Auch hatte ich mir in meiner Sommerbilanz vorgenommen, mehr zu lesen. Das klappt insofern, dass ich jeden Tag lese – allerdings meist nur zwei bis drei Seiten, ehe ich zu müde bin. Also ist es irgendwie doch nicht wie geplant. Ich hatte mir auch vorgenommen, jeden Tag bestimmte Kraftübungen zu machen. Ja, auch das klappt nicht, obwohl natürlich objektiv gesehen zehn Minuten am Tag Zeit dafür wären.  

Das Leben ist nicht planbar – und doch machen wir es immer wieder

Der menschliche Körper und der ganze Organismus sind aber keine leeren Seiten, die man mit Wünschen und Plänen beschreiben kann, womöglich sogar mit einem genauen Zeitplan, und dann die Uhrzeit mit dem Plan abgleichen und sich danach richten. Jede und jeder weiß nur zu gut, dass immer wieder das Leben dazwischenkommt. Wieso nur verschätzen wir uns immer wieder dabei, wie lange eine bestimmte Aufgabe wohl dauert? Wäsche aufhängen: 10 Minuten. Kochen: 30 Minuten. Mails beantworten: 20 Minuten. Arzttermin vereinbaren: 3 Minuten. Tja, so ist es aber in der Realität nicht. Letztens verbrachte ich etwa zwei Stunden damit, ein neues Mailkonto zu beantragen. Es hakte am automatischen Internetformular und automatisierten Mailantworten auf eben dieses Formular, dann an einer telefonischen Auskunft von einem freundlichen aber nicht sehr hilfsbereiten Mitarbeiter, zurück zum Formular, erneutes Telefonat, zwischendurch die Selbstzweifel („Bin ich zu blöd dafür?“). Zum Schluss hat es geklappt (zumindest die Zwischenetappe), aber statt der veranschlagten zehn Minuten dauerte es sehr lange. Kennst Du das Gefühl, wenn du eigentlich ganz viel erledigst und machst und organisierst, aber es fühlt sich trotz stundenlanger Arbeit alles so unbefriedigend und unfertig an? Als ob du nichts erreicht hättest? Dann kommt zu diesem Gefühl noch der visuelle Abgleich mit dem ursprünglichen Tagesplan hinzu und alles scheint vermurkst.

Habe ich die Pause gut genutzt?

In dieser Woche beginnt die Schule für die Kinder und damit auch die Zeit für mich, in der ich wieder Kurse gebe und erneut mehr ins Außen gehe. Habe ich die vergangenen Wochen für mich gut genutzt? Habe ich alles erledigt von dem, für das ich jetzt wieder für einige Wochen oder gar Monate wenig Zeit übrig haben? Bin ich vorbereitet auf den neuen Rhythmus an mehr Fremdbestimmung durch feste Kurszeiten und längere Arbeitstage? Und wieviel Kraft werde ich haben für die vollkommen unvorhersehbaren Schulthemen der Kinder? Wie werden die Wochenenden in Zukunft aussehen, wenn dann doch plötzlich gemeinsam Mathe erklärt oder an einer Präsentation gewerkelt werden muss und die Ich-Zeit zu kurz kommt? 

Es gibt hier keine Antwort. Ich werde es sehen und spüren und bemerken, wenn es soweit ist. Und dennoch kann ich meinen Kopf nicht daran hindern, alles antizipieren zu wollen und sich vorbereitet zu wissen. Da sind wir wieder, bei diesem Chaos, das sich Leben nennt. Mehr und mehr lerne ich, hier und jetzt mit dem zu sein, was ist. Und mich möglichst gut vorzubereiten auf das, was kommen mag. Ich lerne, meine eigenen Erwartungen zu erkennen als das, was sie sind (Pläne undWünsche), sie aber nicht als endgültige Ziele zu sehen, sondern eher als Richtung. Das wäre nett, und dieses hätte ich auch gerne. Darauf arbeite ich hin. Aber ich lerne auch zunehmend, dass „gut genug“ oftmals das einzige ist, was ich leisten kann, und auch das einzige, was ich überhaupt wirklich unter Kontrolle habe. Und dann besteht die Praxis darin, damit im Reinen zu sein. So weit es eben jetzt gerade geht.

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