Fehlt da nicht etwas?

July 2026
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Termine, Schulschluss, Sporteinheit, mit Freunden grillen, die Nachrichten verfolgen, Musik hören, Fußball schauen, den Urlaub planen, online Beiträge posten oder liken, Wäsche aufhängen, Einkäufe erledigen, Geburtstage planen, etc. Fehlt da nicht etwas in diesem vollen und intensiven Leben? Oh doch, und zwar etwas ganz und gar essenzielles: Natur. Bäume. Vögel. Himmel. Horizont. Blumen. Wind. Farben.  

Die Natur ganz beiläufig wahrnehmen

Vielleicht gehst du gerne spazieren (und sogar ohne Podcast oder Handy!) oder du werkelst gerne im Garten. Wunderbar! Vielleicht aber ist dein Leben so enorm voll, dass du vom Gebäude zum Auto oder Zug wechselst, vom Fitness-Studio zum Kino, von der Bürotür zur Garage. Die Natur ist ja immer da, aber oft im Sinne von „Puh, ist es wieder schwül heute“ oder „ach, wie schön die Sonne scheint“. Oder man gießt die Zimmerpflanzen einmal in der Woche und schaut kurz, ob die Blätter in Ordnung aussehen. Manchmal reißt uns eine besondere Begegnung aus dem Trott, wie als ich letztens, auf dem Parkplatz vor meinem Büro stehend, ein Eichhörnchen von Ast zu Ast hüpfen sah. Dann gibt es ein kurzes „oh!“, ein Lächeln, und ab geht es ins Auto. Wir bewerten schnell die Natur und das, was wir gerade wahrnehmen. Aber leben wir wirklich darin?

Künstliche Trennung

Oft findet das Wahrnehmen der Natur im Autopilot statt. Wir sind nicht wirklich da, sondern nur so beiläufig, im Urlaub oder wenn wir Freizeit haben. Dann sind wir gerne draußen. Wir schauen uns mal einen Sonnenuntergang an, wir gehen spazieren, wir gehen wandern. Wir genießen die Natur. Wir freuen uns, wenn die Sonne scheint, wenn es gutes Wetter ist. Ohnehin hat unser Genießen der Natur ganz viel mit „gutem“ Wetter zu tun oder mit dem Wetter, das uns individuell gefällt. Dabei fällt auch auf, dass wir uns oft als getrennt von der Natur betrachten. Wir sind in der Natur, wir gehen spazieren in der Natur, wir sehen uns etwas an und bewundern. Dabei vergessen wir, dass wir eigentlich selbst Natur sind. Wir sind ein Teil der Natur. Wir sind ein Lebewesen, genau wie alles Lebendige um uns herum. Jeder Atemzug ist verbunden mit der Luft, die von den Bäumen gefiltert wird. Die Haut nimmt das wahr, was um uns herum stattfindet. Wir hören, weil unsere Ohren genau dafür gebaut wurden und wortwörtlich in Resonanz gehen mit dem Geräusch. Eine Trennung „ich und die Natur“ ist eigentlich ein eigenartig künstliches Konstrukt.  

Ganzheitliches Wohlbefinden

Es gibt viele Studien dazu, dass dieses ständige Starren auf einen Bildschirm – ob es das Handy ist oder der Laptop oder der Fernseher – den Augen schadet. Eigentlich wissen wir das und ohnehin schadet es auch dem Genick, wenn wir viel nach vorne gebeugt auf ein Gerät schauen. Alles, was wir im Bildschirm wahrnehmen, ist nie das, was jetzt gerade um uns herum da ist, wo unser Körper sich gerade befindet. Nicht nur Augenärzte empfehlen, immer wieder den Blick zu heben und in die Ferne zu schauen, den Horizont zu sehen, den Himmel zu sehen, die Bäume zu sehen, um auch die Augen zu entlasten. In Japan wird gestressten Geschäftsleuten Waldbaden empfohlen. Es gibt zahlreiche Studien darüber, wie gesund es ist, die Waldluft zu atmen. Wie es dabei helfen kann, die Killerzellen gegen Krebs zu stärken, wie es das Immunsystem stärken kann, wie es den Stress reduziert. Es ist etwas Besonderes in dieser Waldluft, zusätzlich beruhigen Naturgeräusche das Nervensystem: Vogelgezwitscher, im Winter knirschend durch den Schnee laufen, durch raschelnde Herbstblätter schlendern, den Wind hören, der die Baumkronen rascheln lässt – alles das ist nachgewiesenermaßen wohltuend, gesundheitsförderlich und baut Stress ab.

Awe

Dacher Keltner, Forscher an der Universität in Berkeley, hat ein wunderbares Buch geschrieben über die Emotion „awe“ (Ehrfurcht, Staunen) und wie Natur und das Sein IN und MIT der Natur uns hilft, das große Ganze zu sehen. Es hilft, uns besser zu fühlen und die wohltuenden Emotionen zu stärken. Es gibt viele Arten, Staunen hervorzurufen und die hilfreichen Auswirkungen zu fühlen. Die Natur ist aber eine ganz besonders wirkungsvolle Quelle – etwas, was die Menschen über viele Jahrhunderte wie selbstverständlich wussten und (er)lebten.  

Es ist normal und positiv, dass wir Menschen von heute in der Freizeit oder im Urlaub verstärkt die Natur wahrnehmen und wertschätzen. Wir fahren in den Urlaub, wir reisen in die warmen Gegenden oder wir fahren in die Berge und nehmen uns die Zeit. Aber wir sollten die Natur zum Teil unseres täglichen Lebens machen und fest in den Alltag bringen. Es geht hier nicht darum, sich immer wieder eine Stunde für einen Spaziergang zu nehmen, denn die Zeit oder Möglichkeiten haben wir nicht immer. Es geht besonders darum, jeden Tag viele kleine Momente ganz oft zuzulassen, in denen wir uns bewusst machen: „Ich bin ein Teil dieser Natur, ich bin ein Teil des Ganzen“ und der Bewunderung Raum geben. Bewunderung für die Farben, für die Bienen, für die Veränderung, die die Jahreszeiten mit sich bringen, für Wind, atmen, Luft, für den Himmel und die Wolken am Himmel, für Regen, Abendrot und Morgenrot, für alles, was eigentlich immer da ist, aber was wir oft viel zu wenig zu schätzen wissen.

Das wahre Leben findet hier und jetzt statt und unser Körper hat ganz viel damit zu tun. Unser Körper ist automatisch in Bezug zur Umwelt und zur Natur, ist selbst ein Teil des Ganzen. Nachdem du das hier gelesen hast, lade ich dich ein, das Fenster zu öffnen, rauszugehen, nach oben zu schauen, wo auch immer du gerade bist, und dir bewusst zu machen: „Ich bin ein Teil des Ganzen. Ich bin ein Teil der Natur.“

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