„Die einzige Konstante im Leben ist, dass es keine Konstante gibt.“ So lautet eine vielzitierte Weisheit hinsichtlich des ganzen Lebens. Selbstverständlich kann man es jeden Tag an unzähligen Dingen erleben: gerade färben sich die Blätter wieder herbstlich. Der eigene Körper verändert sich, wird älter, dicker, dünner, man verletzt sich und dann bilden sich Schorf und eine Narbe, das gekochte Essen wird kalt und das Kerzenwachs brennt ab und verschwindet als Gas. Nichts bleibt für immer, auch wenn man es manchmal weder sieht noch es wahrhaben will.
Auch innere Einstellungen verändern sich, Erfahrungen verändern Perspektiven und Erlebnisse beeinflussen Entscheidungen. Aufzuhalten ist nichts davon. Das einzige, was uns bleibt, ist das Leben zu leben, so wie es gerade ist. Das planen und organisieren, was in unserer Kontrolle liegt, und flexibel genug sein, um mit dem umzugehen, was trotz unserer Planung und Organisation doch anders läuft als gedacht. Die Achtsamkeitspraxis lehrt genau das: sein mit dem, was ist. Aber das ist natürlich einfacher gesagt als getan. Ohnehin ist das nur ein Gedanke. Die Erfahrung ist, worauf es ankommt. Das tägliche Einlassen auf das Leben und auf die Realität. Und nicht immer alles verstehen zu wollen, obwohl der Verstand sich immer wieder festbeißen will. Auch das hat mit Kontrolle zu tun: wenn ich nur verstehe, weshalb ich wieder einmal so schlecht geschlafen habe, dann kann ich das ja auch ändern, oder?! Je mehr wir lernen, loszulassen und uns einzulassen, umso mehr inneren Raum haben wir und umso mehr echte Selbstwirksamkeit steht uns zur Verfügung.
Manche Veränderungen und Realitätschecks brauchen länger als andere, weil die Gedanken und das Ego einfach nicht akzeptieren wollen: so ist es jetzt. Manche Entscheidung kommt einfach und fühlt sich direkt stimmig an. Wie auch immer es ist – mit oder ohne Hadern, mit oder ohne Wohlbefinden – das Leben macht nicht Halt. Es ist einfach, wie es ist, und kümmert sich nicht darum, ob und wann wir bereit sind, eine Entscheidung zu treffen. Und dann wissen wir ja meist immer noch nicht, ob es schließlich die richtige Entscheidung wahr. Wobei „richtig“ ja schon wieder eine Gedanken-gesteuerte Bewertung ist, die die tatsächliche Realität direkt wieder mit einem Filter belegt. Wir können nur weiterleben und in Kontakt mit unserer inneren Welt bleiben und schauen, wie der Weg weitergeht.
Dies ist der letzte Blog-Artikel, denn bei mir stehen Veränderungen an – wie im Grunde immer alles im Wandel ist. Die Webseite von „being mindful“ wird zum Ende des Jahres aus dem Internet genommen werden, denn das Leben geht neue Wege. Schon länger biete ich keine Kurse mehr im Rahmen meiner selbständigen Tätigkeit an, und dieser Schritt ist der nächste im Prozess des Loslassens und des Seinlassens. Es hat mich ungemein gefreut und berührt, immer wieder auf diese Weise in Kontakt zu treten, Gedanken äußern zu können und meine eigene Praxis auf diesem Wege lebendig werden zu lassen. Wenn die Achtsamkeitspraxis dein Leben bereichert hat, dann gehe den Weg weiter. Es gibt unzählige Türen in den gleichen Raum (ein Gedanke von Jon Kabat-Zinn), und ohnehin ist jede Lehrerin oder jeder Lehrer nur Vermittler und Impulsgeber – den Weg gehen muss jeder selber und seinen oder ihren ganz und gar individuellen Zugang finden. Nichts hört auf, es verändert sich nur. Ständig.
P.S.: Diese Webseite wird in den nächsten Wochen offline gehen. Meine angeleiteten Meditationen auf https://being-mindful.podbean.com bleiben.



