Der Frühling kommt

March 2026
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Natürlich, alle Jahre wieder kommt der Frühling, wird es milder, kommen die Knospen raus, hört man die ersten Hummeln summen und die Vögel zwitschern. Morgens wird es früher heller und in den Supermärkten steht schon die Osterschokolade. Jedes Jahr meldet sich die Natur zuverlässig zurück, und jedes Jahr ist das eine Einladung, es wirklich wahrzunehmen.

Sollte, müsste, könnte, …

Sehen, riechen, hören, spüren, und nicht erwarten, dass es sich so oder so anfühlt. Immer wieder offen und neugierig sein: „Wie ist es jetzt gerade? Was kann ich wahrnehmen?“ Die Sinne benutzen und auch bemerken, wie die Gedanken sich einschalten: Ich freue mich auf den Frühling! Endlich ist es etwas wärmer! Und auch die Gefühle: Freude, Dankbarkeit, Genuss, Staunen. Und aufmerksam sein: Habe ich Erwartungen, dass ich jetzt etwas bestimmtes fühlen muss? Ist da ein Druck, sich jetzt besser zu fühlen oder endlich einmal wieder spazieren zu gehen? Es gibt da diesen feinen Grad zwischen Komfortzone und Aufbruchstimmung, zwischen „ich sollte“ und „ich könnte“. Das, was das innere System meldet, ist nicht immer richtig, manchmal melden sich auch Muster, die sich zwar vertraut anfühlen, aber uns eigentlich zurückhalten. Weil sie sich aber vertraut anfühlen, denken wir immer wieder auch, es sei gleichzeitig „richtig“. Manchmal geht es aber darum, bewusst aus der Komfortzone auszubrechen und sich aus der Deckung zu wagen, auch wenn es sich ungewohnt anfühlt.

Es ist also ein ständiges Pendeln zwischen Instinkt und Gedanken, zwischen Gefühl und Impuls. Da kann es schnell vorkommen, dass wir uns verschätzen und hinterher merken: Das war nicht das, was mir gut tat. Und das ist der Schlüsselmoment: nicht mit Selbstkritik reagieren, sondern wahrnehmen, was war und akzeptieren, dass es so gekommen ist. Daraus lernen und weitergehen.

Viele Teile sind gleichzeitig am Werk

Ich bemerke zum Beispiel den inneren Druck, endlich mal wieder spazieren zu gehen, das Wetter ist ja so schön. Das würde mir bestimmt gut tun. Gleichzeitig ist da eine Müdigkeit, die auch ihre Berechtigung und ihre Geschichte hat. Vieles ist hier da: innerer Antrieb, Vergleich mit anderen, Reflexion über das Wetter, inneres Körpergefühl. Was ist jetzt hier das „Richtige“? Ich weiß es nicht. Gibt es das überhaupt? Aber wahrzunehmen, was gerade bei mir ist – das ist der erste und wichtige Schritt. Viele verschiedene Teile sind hier am Werk. Heute habe ich frei, also keine Kurse oder anderweitigen Termine. Ein Teil ist sehr müde von den vergangenen Tagen und will schlafen (und ich war auch schon im Bett, konnte aber nicht einschlafen), ein anderer Teil sagt, ich könnte die Zeit jetzt aber wirklich gut nutzen, um etwas zu schreiben, wieder ein anderer möchte eigentlich den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen und nichts tun.

Es ist wichtig, diese ganzen Impulse wahrzunehmen und dann von Moment zu Moment zu entscheiden: Und jetzt? Aktuell schreibe ich diese Zeilen. Und danach? Werde ich wohl die Wäsche aus der Maschine nehmen. Und danach? Vielleicht etwas lesen oder doch Fernseh schauen? Natürlich gibt es immer wieder Druck von außen, der den Rhythmus vorgibt, Dinge, die einfach erledigt werden müssen. Aber sobald das wegfällt, ist es wertvoll, nach innen zu gehen: gibt es einen Teil, der mir von innen Druck macht? Oftmals ist das erkennbar an den Worten „ich sollte“, etwas abgeschwächt an „ich könnte“. Meine Einladung: überlass das Steuer nicht automatisch diesen inneren Antreibern sondern lass dir etwas Raum, um etwas tiefer zu gehen. Stelle dir immer wieder die Frage: Und jetzt?

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