Gestern habe ich die Entscheidung getroffen, eine Pause einzulegen. Eine Pause davon, zu tief zu schauen. Ein Akt der Selbstfürsorge, denn gerade sind andere Themen im Vordergrund, die meine Aufmerksamkeit brauchen. Ein Teil von mir ist enttäuscht und traurig, da gab es eine Hoffnung auf tiefgreifende Veränderung und inneres Wachstum, vielleicht sogar Heilung in bestimmten Bereichen. Ein anderer Teil weiß, dass die Pause jetzt genau richtig ist. Beide haben recht, beides ist gleichzeitig da.
Selbstfürsorge, manchmal paradox
Ich bin eine große Verfechterin der These, dass eine bewusste Ablenkung manchmal genau die richtige Selbstfürsorge ist. Ein Abend auf dem Sofa, mit Chips und der Lieblingsserie, und eben gerade NICHT reflektieren, weshalb ich tatsächlich so gestresst bin – auch das ist Selbstfürsorge. Die essenzielle Bedingung ist aber, dass diese Reaktion nicht zum Automatismus wird und immer die Lösung ist, sondern eben an ausgewählten Tagen. Es gibt aber Phasen, da ist diese Art der Selbstfürsorge vorrangig. Hier ist eine große Portion Ehrlichkeit gefragt: Was brauche ich jetzt wirklich? Jetzt gerade? Was kann ich jetzt gerade leisten? Nach vielen Monaten und sogar Jahren von Innenschau, Begleitung und Selbstreflexion habe festgestellt: ich brauche eine Pause. Anderes ist im Vordergrund, was meine Aufmerksamkeit benötigt. Das Paradoxe daran: eigentlich weiß ich, dass ich noch lange nicht fertig bin und bestimmte Themen ganz unbedingt noch eine nähere Beschäftigung benötigen. Aber eben nicht jetzt. Ich muss meine Kräfte und meine Aufmerksamkeit dosierter und sorgfältiger, ja, selbstfürsorglicher einsetzen.
Pure Achtsamkeit
Hier ist kein Raum für „vertane Zeit“ oder „ich sollte es doch eigentlich besser hinbekommen“. Das bringt überhaupt nichts, selbstkritische Teile sind nicht präsent. Aber es sind dennoch gleichzeitig verschiedene Impulse spürbar: ich würde schon gerne dranbleiben, denn ich merke, es ist notwendig. Gleichzeitig die Erkenntnis: aber jetzt geht es eben nicht. Ehrlichkeit und Klarheit herrschen vor: jetzt gerade ist es so. Das wird nun gebraucht. Und irgendwann wird sich das wieder ändern. Alles darf sein, jetzt und in jedem zukünftigen Moment. Ich verspüre eine innere Erleichterung, denn es war ein Druck da, es besser hinzukriegen und voranzukommen. Erwartungen, Hoffnungen, natürlich. Und nun stattdessen die Vorfreude, an die Basis zurückzukehren: innehalten, atmen, die Sinne benutzen, mich umsehen, die pure Achtsamkeit: „Was ist gerade los?“ Das Beobachten und Wahrnehmen, ohne den Anspruch, etwas zu verändern oder gar zuheilen.
Wo merkst du, dass dein Verstand dir sagt, dieses oder jenes sei wirklich wichtig, aber dein System sagt dir: eigentlich ist es mir gerade zu viel? Sei offen, sei neugierig und sei ehrlich zu dir.



